Montag, 7. August 2017

Erlangen Entlas Keller

Erlangen Entlas Keller mit Kellerführung.


06.08.2017
Ausgesucht von Edeltraud.
Dabei waren: Christa, Ute, Willi, Norbert, Gertrud, Dorle, Jürgen, Edi und Bernhard.
Wirtshäuser: Entlas Keller Erlangen.
Länge: kurz, Höhenunterschied gering, Temperatur 8,5 °C (im Bierkeller).


Im Rahmen der Reihe "Wege aus dem Sommerloch", die Edi bei der Jahreshauptversammlung aus der Taufe gehoben hat, waren wir zum ersten Mal unterwegs.

Treffpunkt für unsere Tour war der Entla’s Keller in Erlangen, der einzige Keller auf dem Berch, der das ganze Jahr über (also während der Biergartensaison halt) geöffnet ist. Wir haben vor dem Besuch "auf" dem Keller im Rahmen einer Führung "in" den Keller reingeschaut. 

Der Biergärtner, Wirt vom Entlas Keller, Kellerratz und Bergphilosoph Fritz Engelhardt persönlich ließ uns in die Unterwelt eintauchen.



Und sein Vortrag war ganz anders, als es viele wohl erwartet haben: "Geistlich", wie er es nannte, wollte er den Besuchern nicht nur einige geschichtliche und bergmännische Informationen geben, sondern sie auch dazu anhalten, "in sich zu gehen", zu staunen, das Unbekannte auf sich wirken zu lassen. Das ist ihm wirklich gelungen.

Mir ist es gelungen, ein wirklich treffendes Foto zu machen an der Stelle, die vielen Besuchern etwas unheimlich und auf jeden Fall unbekannt vorgekommen ist: völlige Dunkelheit.





Hier a bissl was zum Lesen und zum Erinnern:  

Friedrich Engelhardt hat die Keller schon im Bauch seiner Mutter betreten. Auch nach seiner Geburt ist er immer wieder hierher zurückgekommen, in die heilige Unterwelt der Bierbrauer.

Während alleine auf seinem Entlas Keller 3600 Berg-Besucher einen Platz finden, erstreckt sich unter ihnen ein 21 Kilometer langes Tunnelsystem. Geschaffen haben es die Erlanger Bierbrauer: ein perfektes Naturlager bei acht Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit. So entstand ein weit verzweigtes, fast ebenes Stollensystem, das meist 70 bis 100 Meter weit hineinreicht.

Bereits um 1675 haben die Erlanger am Fuß ihres Berges erste Keller gegraben. Eine neue Gärtechnik bedurfte einer längeren Lagerung des Bieres. Um die Keller immer konstant kühl zu halten, haben die Brauer im Winter große Mengen Natureis in den Berg gebracht. Den heutigen Henninger-Keller haben die Brauer in den Jahren 1883/84 zu einem Tunnel mit einem zweiten Ausgang an der Nordseite ausgebaut, so dass sie dort im Winter das Eis von den nahen Rudelsweihern auf kürzestem Wege als Kühlmittel holen konnten.




1711 gab es bereits sieben Keller im Besitz der Altstädter, heute sind es insgesamt 16. Von 1718 an war es zudem üblich, die Eingänge der Felsengänge mit quadratischen oder achteckigen Kellerhäuschen aus Sandstein zu verschönern, dadurch konnten die Brauer im Sommer Bier aus den Kellern heben, ohne sie ebenerdig öffnen zu müssen. Die Kälte blieb drin, die Wärme draußen. Noch heute spüren Berg-Besucher beim Ausschank den frischen Luftzug aus dem Inneren der Gänge.

Die Keller waren Motor und Seele des Export-Erfolgs, als Erlanger Bier weit über Deutschland hinaus bekannt war. Doch diese Ära endete, als Carl von Linde im Jahr 1876 die Kältemaschine erfand und damit den steinernen Standortvorteil zunichte machte.

Die Bierkeller verloren ihren ursprünglichen Zweck, von 1916 an dienten einige zum Beispiel der Champignonzucht. Im 2. Weltkrieg begann ein nie vollendeter Ausbau der Stollen, um dort geschützt vor den Bombenangriffen der Alliierten ein Heizwerk, ein Krankenhaus und kriegswichtige Produktion unterzubringen. Außerdem dienten sie als Luftschutzkeller.

Seither allerdings nutzen die Brauer die Bierkeller als Ausschank, vor allem während der Bergkirchweih. In den vergangenen Jahrzehnten hat es auch einige Einstürze gegeben, da Hohlräume entstanden waren. Die Erlanger hatten das Stollensystem in den vergangenen 200 Jahren recht unkoordiniert ausgebaut. Gefahr aber droht keine mehr, weil die Kellerwirte ihre Tunnel von innen selbst befestigt haben. Besonders herausgeputzt hat Friedrich Engelhardt seinen Keller. Seit vielen Jahren bietet er Führungen an. "Einen Keller sieht man nicht, man spürt ihn", sagt er. Das ging ihm schon im Babybauch seiner Mutter so.

Jetzt tatsächlich ein paar Bilder, aber nicht von mir (Quelle [wie auch der obige Text]:
www.der-berg-ruft.de/erlangen-kuhle-unterwelt-unter-der-bergkirchweih-1.5187565 







Wie lange es wohl dauert, die ganzen Kerzen anzuzünden (und wieder auszublasen)?

Jetzt aber ein paar eigene Bilder, bei einer bewusstseinserweiternden Maß und fränkischen Spezialitäten.








Schee war's, die Führung war wirklich bewusstseinserweiternd, das Wetter hat gepasst, das Essen auch, das Bier war prima (obwohl, es ist ja das Forchheimer Bier der Maßstab, sagt der Willi - das soll er bloß nicht den Friedrich Engelhardt hören lassen, der hat sein eigenes Bild von den Forchheimern).

Zum Abschluss noch die Auflösung des Namens, so wie es der Kellerratz selber berichtet: 

Ich komme ja aus einem Wirtshaus. Da gab’s den Stammtisch „Endlich allein“. Der Name „Entla’s“ kommt von „Endlich allein“. Das war damals nachvollziehbar. Ein Haufen Kinder daheim, die Arbeit. Und dann stand abends vielleicht noch die Frau mit dem Besen hinter der Tür, weil sie so angespannt war durch die ganzen Bangert, die da rumgehüpft sind. Da war doch klar, dass der Mann lieber ins Wirtshaus ist.